Kindheit
Den meisten Quellen zufolge erblickt Ernesto Guevara de la Serna am 14. Juni 1928 das Licht der Welt. Jon Lee Anderson nach allerdings beichtete Ches Mutter einmal einer Freundin, Ernesto sei bereits einen Monat zuvor, also am 14. Mai 1928 geboren worden. Das falsche Datum sei darauf zurückzuführen, dass sie und ihr Mann den Eltern verheimlichen wollten, dass die Mutter bei der Heirat bereits im dritten Monat schwanger gewesen war. Da ein befreundeter Arzt bei der Sache mitspielte, steht demnach auch der Geburtsmonat Juni in der Geburtsurkunde und ist somit offiziell. Wann auch immer Ernesto entbunden wurde – es war in Rosario/Argentinien.
Seine Mutter Celia de la Serna und sein Vater Ernesto Guevara Lynch hatten sich ein Jahr zuvor, 1927, kennengelernt. Sie war 20 Jahre alt, er 27. Beide stammten von spanischen und irischen Eroberern ab und kamen aus Familien, die noch vor einigen Jahren zu den reichsten in Argentinien bzw. Südamerikas gezählt hatten.
Ernesto verlebt seine ersten Jahre in Misiones, wo der Vater seinen Lebensunterhalt mit Mate- Plantagen verdient. Im Herbst 1930 geschieht etwas, das Ernesto Guevaras gesamtes Leben entscheidend beeinflussen soll: er geht mit seiner Mutter im kalten Wasser baden und hat direkt danach seinen ersten Asthma-Anfall. Von mütterlicher Seite scheint sich eine gewisse Anfälligkeit Asthma und diversen Allergien gegenüber auf ihn und seine drei späteren Geschwister übertragen zu haben. Da Ernestito in der folgenden Zeit recht viele und starke Asthma-Anfälle hat, wechselt die Familie des öfteren den Wohnort, um ein gesünderes trockenes Klima zu finden.
Obwohl der kleine Ernesto wegen seiner Krankheit körperlich nicht in dem Maße leistungsfähig ist wie seine Altersgenossen, beweist er schon in seiner Jugend einen immensen Kampfgeist und versucht, mit anderen mitzuhalten und sich mit ihnen zu messen. In Phasen, in denen er wegen seiner Krankheit ans Bett gefesselt ist hingegen, beginnt er, seine zweite Seite zu entwickeln, indem viel liest und Schach spielt.
Der Revolutionär in Ernestito
Die junge Familie Guevara, insbesondere die Mutter Celia, zeichnet sich dadurch aus, dass sie wenig auf damals übliche Konventionen gibt. So sind beide Elternteile Atheisten, was im katholischen Argentinien durchaus etwas besonderes ist, die Mutter hat kurzes Haar und trägt Hosen, und im Haus der Familie gehen Leute unterschiedlichster Gesellschaftsklassen ein und aus. Da ist nicht verwunderlich, dass auch der junge Ernesto ähnliche Charakterzüge zu entwickeln beginnt: er versucht immer öfter aufzufallen und spricht aus, was er denkt. Wie auch sein gesamtes späteres Leben, tut oder sagt er Dinge nicht selten gerade nur deshalb, weil es gegen alle Konventionen und geltenden Regeln ist, und um dadurch seine Mitmenschen zu schocken.
Politisches Interesse zeigt Ernesto in seiner Jugend noch keines. Zwar gibt es Äußerungen zu Politik und Wirtschaft, und diese sind immer äußerst radikal, allerdings sind sie wohl auch eher auf den oben genannten Wunsch des Auffallens zurückzuführen, denn auf wirkliches Interesse oder eine ausgeprägte Meinung.