Der Student

1946, mit 18 Jahren, beendet Ernesto die Oberschule. Da Ernesto wegen seines Asthmas vom einjährigen Militärdienst freigestellt wird, geht er direkt an die Universität. Ursprünglich wollte er seiner Begabung entsprechend ein Ingeniuersstudium beginnen. Nach dem Tod seiner Großmutter entscheidet er sich jedoch kurzfristig um und schreibt sich in der Medizin ein, Spezialrichtung Allergologie.
Ernesto liest in der Zeit seines Studiums sehr viel. Die Abenteuerromane seiner Jugendzeit werden ersetzt durch Bücher über Sexualität, Sozialverhalten und Gesellschaftspolitik. Er liest u.a. Bücher über und von Freud, Mussolini, Stalin, Marx und Lenin und schreibt sich wichtige Passagen heraus und fertigt sogar auf dem gelesenen basierende Charakterisierungen an. Ernesto gilt als Außenseiter und Exzentriker und wird trotzdem oder deswegen als Frauenheld beschrieben, der sich keine Gelegenheit entgehen läßt.



Ernesto entdeckt Land, Leute und Ungerechtigkeit

Schon bald beginnt Ernesto, seine Leidenschaft für ausgedehnte Reisen zu entdecken. In den Semesterferien bereist er immer wieder das Land und legt tausende von Kilometern zurück, zunächst in Argentinien, später in fast ganz Südamerika. Er nutzt die Reisen, um sein Wissen um die Lepra-Krankheit zu erweitern und verdient sein Geld als Arzt in Leprastationen, oder indem er Vorträge über Allergologie hält. Seit jenen Tagen bereits führt Ernesto Guevara ein Tagebuch, weshalb auch im Nachhinein deutlich wird, was ihn auf seinen Reisen außerdem noch sehr beschäftigt:
Ernesto erkennt insbesondere auf seiner Reise durch Chile die Abhängigkeit der südamerikanischen Staaten von den USA. Er sieht die verarmte Bevölkerung auf der einen Seite, und die reichen US-amerikanischen Firmen, die Land und Leute ausbeuten, sowie die neugierigen Touristen, auf der anderen. Die Regierungen sind meistens Diktaturen, die von Nordamerika unterstützt werden. Ernesto entwickelt eine Art Abscheu oder Hass auf die "Yankees", wie er sie nur noch zu nennen pflegt. Trotzdem macht er auch einen kurzen Abstecher nach Miami, sieht sein negatives Bild der USA aber nur bestätigt, als er dort Zeuge rassistischer Übergriffe durch die Polizei wird.
Direkt nach seiner Abschlussprüfung im April 1952 macht sicht Ernesto wieder auf den Weg und kommt u.a. nach Guatemala. Guatemala hatte in den vierziger Jahren eine Revolution hinter sich gebracht, in der der Diktator Ubico gestürzt worden war. Seitdem war der linke Oberst Jacobo Arbenz Guzman an der Macht, der in den vergangenen Jahren einige Änderungen vollbracht hatte, so auch eine umstrittene Bodenreform, in der das Land von Großgrundbesitzern wie der us- amerikanischen United Fruit Company verstaatlicht wurde. Das Ergebnis war vor allem politische Isolation, angezettelt von den Vereinigten Staaten, die gegen die "Kommunisten" in Südamerika Stimmung machten. Ernesto schreibt seiner Familie aus Guatemala, dies sei eines wenigen Länder Lateinamerikas, in dem man "die Luft der Freiheit atme". In seinem Tagebuch schreibt er von der Begegnung mit einem Fremden, die für ihn wie eine Offenbarung gewesen sei. "...trotz seiner Worte wußte ich nun... ich werde an der Seite des Volkes stehen, und das weiß ich, denn eingemeißelt in die Nacht sehe ich mich, den eklektischen Analytiker von Doktrinen und psychoanalytischen Deuter von Dogmen, heulend wie ein Besessener die Barrikaden oder Schützengräben erstürmen, meine Waffen in Blut baden und wild vor Wut jedem Feind, der mir in die Hände fällt, die Kehle durchschneiden. Und während eine unermeßliche Müdigkeit meine gegenwärtige Euphorie fortwischt, sehe ich, wie ich den Opfertod sterbe."
Da Ernesto sich mit der guatemaltekischen Revolution identifizieren kann, will er vorübergehend dort bleiben und sich der Revolution nützlich machen. Ende 1953 hat er ersten Kontakt zu kubanischen Revolutionären, die nach einem mißlungenen Putschversuch unter Fidel Castro nach Guatemala geflohen waren. Diese sind es auch, die Ernesto den Namen "El Che Argentino" geben. "Che" bedeutet soviel wie "Hey!" oder "Kumpel" und wird von Ernesto an fast jeden Satz angehängt, und somit zu einer Art Markenzeichen. Außerdem lernt "Che" Hilda Gadea Acosta kennen, durch die er einen tieferen Einblick in die guatemaltekische Revolution erhält, und deren Weltanschauung als sozialistisch beschrieben werden kann. Mitte 1954 wird der amtierende Präsident Jacobo Arbenz Guzman in einem Militärputsch wieder abgesetzt, und sowohl Ernesto als auch Hilda werden wegen ihrer offensichtlich "kommunistischen" Gesinnung verfolgt und fliehen nach Mexiko.
In Mexiko heiratet Che schließlich Hilda, obwohl er sie selbst als häßlich beschreibt. Allerdings ist er von ihrem Charakter und ihrem Intellekt beeindruckt. Jedoch schreibt er in seinem Tagebuch: "Letztlich bekommt sie ihren Willen – aber, wie ich es sehe, nur für kurze Zeit, auch wenn sie hofft, es sei fürs Leben."

Über diese Seite

Diese Zusammenfassung der Lebensgeschichte von Che Guevara entstand etwa im Jahre 2003 als Referat in einer berufsschulischen Ausbildung. Nutzung der auf dieser Seite gebotenen Texte nur bei Nennung dieser Biografie. Im Online-Umfeld wird die Setzung eines Backlinks erbeten.

Quellen

  • J. L. Anderson „Che – Die Biographie“, List-Verlag
  • stern spezial BIOGRAFIE 1/2003
  • http://www.cheguevarasite.de


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